Vitamin B1 hochdosiert
Das Protokoll von Dr. Costantini: viele positive Erfahrungsberichte, aber noch keine Studie mit Placebo.
Stand: Oktober 2026

Was ist das?
Vitamin B1, auch Thiamin genannt, braucht der Körper für den Energiestoffwechsel, vor allem in Nerven und Gehirn. Der Tagesbedarf liegt bei gut einem Milligramm. Der italienische Neurologe Dr. Antonio Costantini hat ab 2012 Menschen mit Parkinson ein Vielfaches davon gegeben, zunächst als Spritze in den Muskel, später auch als Tabletten. Er vermutete, dass Nervenzellen bei Parkinson das Vitamin nicht richtig verwerten können und dass sehr hohe Mengen diesen Mangel ausgleichen. Nach eigenen Angaben hat er mehr als 2.500 Patienten behandelt. Dr. Costantini ist 2020 gestorben. Sein Team führt die Arbeit fort, darunter der Mitautor Marco Colangeli (offizielle Seite).
Was sagt die Forschung?
- 2013: Drei Patienten mit neu festgestelltem Parkinson bekamen zweimal pro Woche 100 mg Thiamin als Spritze. Ihre motorischen Werte verbesserten sich deutlich (BMJ Case Reports).
- 2015: In einer Studie mit 50 Patienten sank der UPDRS-Gesamtwert innerhalb von drei Monaten im Mittel von 38 auf 18 Punkte und blieb danach stabil, bei einer Beobachtungszeit von bis zu gut zwei Jahren (Journal of Alternative and Complementary Medicine).
Die Zahlen sind beeindruckend. Alle Studien waren aber offen, das heißt ohne Placebo und ohne Vergleichsgruppe. Eine Studie, die B1 mit einem Placebo vergleicht, gibt es bis heute nicht. Das Team von Dr. Costantini sammelt Spenden, um eine solche Studie zu ermöglichen. Im Oktober 2025 hat das Team eine rückblickende Auswertung der Behandlungsdaten angekündigt. Eine Studie mit Placebo fehlt weiterhin. Die Michael J. Fox Foundation hält die Belege noch nicht für ausreichend, beschreibt Thiamin aber als gut verträglich (Michael J. Fox Foundation).
Dafür gibt es sehr viele positive Erfahrungsberichte. In der Parkinson-Gemeinschaft von Cure Parkinson's auf HealthUnlocked berichten Betroffene, die das Protokoll seit vielen Jahren befolgen, dass es das Fortschreiten deutlich verlangsamt habe.
Wie das Protokoll funktioniert
Eine feste Standarddosis gibt es nach Dr. Costantini nicht. Die Menge richtet sich nach Körpergewicht, Krankheitsdauer und Beschwerden und wird so lange angepasst, bis die richtige Dosis gefunden ist. Häufig verwendet wurden zwei Spritzen mit je 100 mg pro Woche oder Tabletten mit mehreren Gramm am Tag. Eine Besonderheit: Zu viel B1 kann die Beschwerden vorübergehend verschlechtern, zum Beispiel mit Unruhe, Verspannungen oder Schlafproblemen, wenn es spät am Tag genommen wird. Nach einer kurzen Pause verschwindet das wieder, danach wird mit einer niedrigeren Menge weitergemacht.
Sehr hilfreich ist die deutsche Übersetzung von 57 Fragen und Antworten mit Dr. Costantini bei der Parkinson-Selbsthilfegruppe Berlin (parkinsonberlin.de). Eine praktische Anleitung bietet außerdem das Buch von Daphne Bryant, die auch eine große Facebook-Gruppe zum Thema betreut.
Meine Erfahrung
Vor einigen Jahren habe ich hochdosiertes B1 eine Zeit lang getestet, soweit ich mich erinnere mit etwa 2 Gramm am Tag. Eine Wirkung habe ich nicht bemerkt. Allerdings habe ich damals viele Dinge gleichzeitig ausprobiert und das Protokoll nicht konsequent verfolgt. Wegen der vielen positiven Berichte will ich es in den nächsten ein bis zwei Jahren noch einmal richtig testen. Meine Erfahrungen trage ich dann hier nach.
Aufwand und Kosten
Thiamin-Tabletten sind günstig. Die Spritzen brauchen ein ärztliches Rezept. Wer das Protokoll ausprobieren will, sollte es mit dem Arzt absprechen.
Mein Fazit
Hochdosiertes Vitamin B1 ist günstig, gut verträglich und hat vielen Menschen mit Parkinson nach eigenem Bericht geholfen. Eine Studie mit Placebo fehlt noch. Für mich ist es ein Baustein, den ich mir für später vorgemerkt habe.