Mikrobiomtransfer
Stuhltransplantation von einem gesunden Spender. Für mich einer der drei wichtigsten Bausteine.
Stand: Oktober 2026
Was ist das?
Beim Mikrobiomtransfer, auch Stuhltransplantation oder kurz FMT genannt, wird aufbereiteter Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm des Patienten übertragen, zum Beispiel per Einlauf, bei einer Darmspiegelung, über eine Sonde oder als Kapsel. Ziel ist es, die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zugelassen ist das Verfahren bisher nur bei wiederkehrenden Infektionen mit Clostridium difficile, mit Heilungsraten von über 80 Prozent.
Warum der Darm bei Parkinson wichtig ist
Viele Forscher gehen davon aus, dass Parkinson bei einem Teil der Patienten im Darm beginnt („body first“). Das krankhafte Alpha-Synuclein entsteht demnach zuerst im Darm und wandert über den Vagusnerv ins Gehirn. Eine Studie des Karolinska-Instituts (2017) fand, dass Menschen nach einer Durchtrennung des Vagusnervs seltener an Parkinson erkranken.
Bei Parkinson ist die Darmflora häufig verändert:
- Zu wenig Bakterien, die Buttersäure bilden. Buttersäure ist die wichtigste Energiequelle der Darmzellen.
- Zu viele Desulfovibrio-Bakterien. Sie bilden Schwefelwasserstoff und Entzündungsstoffe und förderten in einer Studie der Universität Helsinki (2023) das Verklumpen von Alpha-Synuclein.
- Eine durchlässigere Darmwand, durch die Bakteriengifte ins Blut gelangen.
Was sagt die Forschung?
Die Lage ist gemischt, aber vielversprechend:
- Belgien, GUT-PARFECT (2024): 46 Patienten im Frühstadium. Zwölf Monate nach einer einzigen Transplantation über eine Nasensonde hatte sich die Motorik deutlich stärker verbessert als in der Placebogruppe (Lancet eClinicalMedicine).
- Finnland (2024): 48 Patienten, Transplantation per Darmspiegelung. Kein Unterschied bei der Motorik, bei der Verstopfung schnitt sogar die Placebogruppe besser ab.
- Australien, Adelaide (2025): wiederholte Gaben über sechs Monate. Die tägliche Off-Zeit nahm ab, die Behandlung war sicher.
- China (2026): 72 Patienten, die wie ich noch keine Parkinson-Medikamente nahmen, bekamen die Transplantation in drei Zyklen. Nach 35 Wochen hatte sich ihr UPDRS Teil III um knapp vier Punkte verbessert, in der Placebogruppe blieb er gleich. Auch die Verdauung besserte sich deutlich.
Die Behandlung gilt als sicher und gut verträglich. Für eine Standardbehandlung reichen die Ergebnisse noch nicht. Möglicherweise sind die Art der Übertragung und die Zahl der Wiederholungen entscheidend.
Meine Erfahrung
Ich hatte bisher vier Mikrobiomtransfers:
- 12. November 2021, Leipzig: Einlauf mit 200 ml von einem jungen, gesunden Spender. Der Arzt riet mir außerdem, glutenhaltige Nahrung zu meiden, und ich habe meine Ernährung weitgehend umgestellt. Anfang 2022 hatte sich meine Darmflora deutlich verbessert.
- 19. September bis 10. Oktober 2022, IPPM-Klinik in der Slowakei: zehn kleinere Einläufe mit je 20 ml. Auch danach war der Befund deutlich besser.
- 18. Juni 2024, Thüringen-Kliniken Saalfeld: 350 ml bei Prof. Dr. Peter C. Konturek, nachdem mein Befund Anfang 2024 wieder etwas schlechter geworden war.
- 4. bis 20. Mai 2026, Institut IM3 in Wuppertal: zum ersten Mal als Kapseln mit gefriergetrocknetem Spenderstuhl, in drei Gaben mit 50, 30 und 20 Kapseln im Abstand von einer Woche.
Nebenwirkungen hatte ich nie. Nach dem ersten Transfer spürte ich, dass es noch einmal einen Schritt nach vorne ging. Meine Stuhlbefunde sind seitdem gut.
Meine Werte (März 2026)
Ich lasse mein Darmmikrobiom regelmäßig bei medivere untersuchen. Alle Befunde findest du unter Mikrobiom-Untersuchungen.
- Vielfalt (Shannon-Index): 5,38, deutlich über dem Mindestwert von 4,6
- Dysbiose-Bewertung: gut
- Buttersäurebildner: 15,9 (Normbereich 11 bis 19), bei Parkinson sonst typisch erniedrigt
- Firmicutes/Bacteroidetes: 3,2 (Normbereich 2,9 bis 4,8)
- Desulfovibrio, kritische Untergruppen: nicht nachweisbar
Ein Mikrobiologe schrieb mir dazu: Bei den meisten Parkinson-Patienten seien die Buttersäurebildner vermindert, bei mir seien sie sogar stark vertreten. „Aus mikrobiologischer Sicht würde ich sagen: Sieht gut aus.“
Aufwand und Kosten
Eine Behandlung kostet rund 1.000 Euro. Private Krankenversicherungen übernehmen das teilweise. In Deutschland bieten nur wenige Ärzte den Mikrobiomtransfer bei Parkinson an, manche lehnen ihn ab, weil er dafür nicht zugelassen ist. Wichtig ist, dass der Spender gründlich auf Krankheitserreger untersucht wird. Eine Stuhltransplantation in Eigenregie ist gefährlich und kommt auf keinen Fall in Frage.
Mein Fazit
Der Mikrobiomtransfer gehört für mich zu den drei wichtigsten Bausteinen, zusammen mit Sport und TPS. Wer darüber nachdenkt, sollte sich an einen erfahrenen Arzt wenden und vorher den eigenen Darm untersuchen lassen.