Johanniskraut
Bewährtes Pflanzenmittel bei leichten Depressionen. Bei Parkinson schützte es im Tierversuch Nervenzellen, hat aber ernste Wechselwirkungen.
Stand: Oktober 2026

Was ist das?
Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine gelb blühende Heilpflanze. Wichtige Inhaltsstoffe sind Hyperforin und Hypericin. In Deutschland sind Johanniskraut-Extrakte als pflanzliche Arzneimittel bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden zugelassen. Depressionen sind bei Parkinson häufig, deshalb ist das Mittel für viele Betroffene ein Thema.
Was sagt die Forschung?
- Tierversuch, 2016: Forscher in Teheran schädigten bei Ratten mit dem Nervengift 6-OHDA die Dopamin-Nervenzellen. Die Tiere erhielten eine Woche vor bis eine Woche nach der Schädigung täglich 200 mg Johanniskraut-Extrakt pro Kilogramm Körpergewicht. Sie bewegten sich danach besser, oxidativer Stress und Entzündung im Gehirn waren geringer, und es gingen weniger Dopamin-Nervenzellen zugrunde (Cellular and Molecular Neurobiology). Diese Menge lässt sich nicht auf Kapseln für Menschen übertragen.
- Tierversuch, 2013: Eine spanische Studie mit dem Nervengift Rotenon fand den stärksten Schutz bei einem Extrakt mit viel Hyperforin.
- Neuere Tierversuche: 2025 schützten Inhaltsstoffe des Johanniskrauts Zebrafische vor dem Nervengift MPTP. Im Dezember 2025 erhielten Ratten den Extrakt zusammen mit Stammzellen, und beides zusammen bewahrte die meisten Nervenzellen (Brain and Behavior).
- Menschen: Dass Johanniskraut bei Parkinson Nervenzellen schützt, den Verlauf bremst oder das Zittern bessert, ist nicht untersucht. Gut belegt ist dagegen die Wirkung bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Eine laufende Parkinson-Studie ist bei ClinicalTrials.gov nicht eingetragen (Stand Oktober 2026).
Wechselwirkungen: unbedingt beachten
Johanniskraut ist kein harmloses Nahrungsergänzungsmittel. Es regt in Leber und Darm Enzyme und Transporter an, die Medikamente abbauen. Dadurch können viele Mittel schwächer wirken, zum Beispiel Blutverdünner, die Pille, Herzmedikamente und Mittel nach einer Organtransplantation. Zusammen mit Antidepressiva droht ein gefährliches Serotonin-Syndrom. Außerdem macht es die Haut lichtempfindlicher.
Besonders wichtig bei Parkinson: In der Fachinformation des MAO-B-Hemmers Rasagilin (Azilect) ist die gleichzeitige Einnahme von Johanniskraut ausdrücklich verboten (Fachinformation Azilect). Wer Selegilin oder andere Parkinson-Medikamente nimmt, sollte Johanniskraut nur nach Rücksprache mit dem Neurologen nehmen.
Meine Erfahrung
Johanniskraut nehme ich nicht. Weil ich keine Parkinson-Medikamente nehme, wäre die Wechselwirkung mit Rasagilin für mich zwar kein Thema. Für die meisten Parkinson-Patienten aber schon.
Mein Fazit
Die Tierversuche sind interessant, aber als Schutz für die Dopamin-Nervenzellen würde ich Johanniskraut heute nicht empfehlen: Der Nachweis beim Menschen fehlt, und die Wechselwirkungen sind erheblich. Sinnvoll sein kann es bei einer leichten Depression, dann aber in Absprache mit dem Arzt.